Eine Zeichnung von fünf Mischlingshunden aus dem Auslandstierschutz, darunter Choco aus Rumänien und Mona aus Griechenland

Adopt, don't shop

Es gibt Tausende von Hunden, die bereits auf der Welt sind — mit unterschiedlichstem Aussehen und verschiedenen Charakteren, männ­lich, weib­lich, verspielt, verschmust, zurückhaltend, selbstbewusst, in jedem Alter und jedem Rassemix, groß, klein, mittel, braun, schwarz, weiß, gefleckt.

Es liegt nicht in ihrer Verantwortung, wo genau auf der Welt sie geboren wurden. Sie alle haben ein gutes, friedliches Leben verdient. Wer sich aus echter Tierliebe für einen Begleiter entscheidet, abseits von Trends oder Statusdenken, wird unter der Vielzahl an Tierschutzhunden garantiert den passenden finden. 

Mein Hund hat keine Rasse und keine Nationalität

Choco kommt zwar aus Rumänien, aber das ist Nebensache. Sie ist einfach eine tolle Hündin, die ein schönes Leben verdient hat. Natürlich finde ich sie wunderschön, und ihr Charakter passt zu mir. Sie ist schon älter, hat aber viel Freude daran, in der Natur unterwegs zu sein. Dann blüht sie jedes Mal auf, und man merkt ihr das Alter kaum an. 

Spaziergänge mit ihr sind für mich einfach entspannend. Das sind die Dinge, auf die es ankommt. Ob sie Rumänin oder Griechin ist, interessiert mich nicht.

Übrigens: Auch wer einen sehr sportlichen Hund möchte, der viel Beschäftigung und Bewegung braucht, wird im Tierschutz sicher fündig.

Besondere Herausforderungen

Bevor Mona und Choco zu mir kamen, hatte ich mich auf den Websites der Tierheime in der Umgebung umgesehen. Einen Welpen wollte ich nicht, und bei den erwachsenen Hunden fand ich dort viele mit besonderen Verhaltensauffälligkeiten, denen ich nicht hätte gerecht werden können.

Dazu kamen viele Hunde mit körperlichen Einschränkungen. Ich wohne im zweiten Stock — einen Hund kann ich notfalls tragen, wenn er nicht zu schwer ist. Aber wenn ich von vorneherein weiß, dass es zu Schwierigkeiten kommen wird, nehme ich diesen Hund nicht zu mir. Auch das ist Verantwortung.

Rumänien, Spanien, Griechenland …

Natürlich gibt es im Ausland auch viele kranke, blinde, dreibeinige und anderweitig beeinträchtigte Hunde sowie Angsthunde, die mit ihren Bedürfnissen für die meisten Menschen keine realistische Option sind.

Aber es gibt noch sehr viel mehr unkomplizierte Hunde, die sich sogar mitten in der Stadt wohlfühlen. Ich habe es selbst mit zwei Hündinnen erlebt, wie anpassungsfähig und unkompliziert sie waren, und ich kenne viele weitere positive Geschichten aus der Auslandsadoption. Auch wer einen Welpen möchte, muss nicht zum Züchter gehen — die gibt es ebenfalls in deutschen Tierheimen oder im Ausland.

Verantwortungsvoller Tierschutz

Natürlich ist es keine Lösung, alle Hunde nach Deutschland zu bringen, während sie sich in ihrem Ursprungsland weiter vermehren. Deshalb haben viele Tierschutzvereine Kastrationsprogramme ins Leben gerufen, um die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen.

Wie man in der Dokumentation „Die Hunde-Mafia: How to kill a Puppy & get rich“ mit Nathan Goldblat sehen kann, werden diese Bemühungen in Rumänien durch mafiöse Strukturen aus skrupellosen Menschen untergraben. Sie fördern die Vermehrung, denn jedes eingefangene Tier bringt Geld.

Ich kann mir die Dokumentation nicht ansehen. Die Bilder würden mich für immer verfolgen. Für den Tierschutz vor Ort bin ich leider nicht geeignet. Vielen Tierschutzorganisationen geht es psychisch nicht gut mit dem, was sie täglich erleben. Mein Respekt vor ihrer Arbeit ist groß. Was ich leisten kann: Ich kann einem Hund ein Zuhause geben und Geld spenden. Wenn jeder in seinem Rahmen helfen würde, könnte trotzdem viel bewegt werden.

Seriöse Vereine im Auslandstierschutz

Nicht alle Tierschutzvereine sind seriös, aber es gibt sehr viele vertrauenswürdige Organisationen. Oft stecken dahinter Menschen, die neben ihrem Hauptjob viel Zeit und Kraft investieren und dabei weit über das hinausgehen, was man von ihnen erwarten könnte.

Ein seriöser Verein ist als gemeinnützig eingetragen und setzt sich für nachhaltige Lösungen ein – etwa durch Kastrationsprogramme vor Ort oder die Unterstützung solcher Projekte. Er ist sowohl während der Vermittlung als auch danach ein verlässlicher Ansprechpartner und hat einen Plan B für den Fall, dass eine Adoption scheitert, damit der Hund nicht in einem deutschen Tierheim landet. Die Hunde reisen mit einem europäischen Heimtierausweis, sind geimpft und gechipt, mit vollständigen TRACES-Ausreisepapieren. Vor der Vermittlung gibt es einen Fragebogen, auf dessen Grundlage der Verein eine erste Einschätzung vornimmt, ob Hund und Mensch zusammenpassen könnten, sowie eine persönliche Vorkontrolle im neuen Zuhause, bei der alles noch einmal besprochen wird. Der Schutzvertrag stellt sicher, dass der Hund auch nach der Vermittlung geschützt bleibt: Er verpflichtet den neuen Besitzer, den Hund im Notfall an den Verein zurückzugeben, und gibt dem Verein das Recht, die Haltungsbedingungen zu überprüfen.

Was für mich persönlich unseriös ist

Auch wenn sonst alles stimmt, empfinde ich manipulative Jammergeschichten auf Social Media als absolut unseriös — Beiträge, die nicht nur Mitleid wecken wollen, sondern Schuldgefühle erzeugen. Ich würde mich nicht wundern, wenn manche davon der Fantasie entsprungen sind. Wenn ein Hund auf diesem Weg vermittelt wird, kann das nur schiefgehen. Dann hat sich vielleicht jemand gemeldet, der eigentlich gar nicht bereit war und auch nicht die Voraussetzungen mitbringt, nur um dieses arme Tier zu „retten“.

Meine Erfahrung mit Jammer-Posts

Einmal hat diese Masche auch bei mir funktioniert und ich war überrascht, dass ich den absoluten Notfall-Hund dann doch nicht bekam. Es ging um eine Hündin, die ihre Familie verloren hatte und in ein Tierheim gebracht worden war. Sie stand kurz davor, in ein größeres Tierheim verlegt zu werden, in dem sie einfach „verschwunden“ wäre. Die Dringlichkeit war groß. Die Zeit arbeitete gegen die Hündin.

Mona war damals schon gestorben, Choco noch nicht in meinem Kopf. Ich hatte die Kapazitäten, die Hündin als Pflegestelle aufzunehmen, und schrieb den Verein an. Mein Angebot wurde abgelehnt. Ich war dort noch keine eingetragene Pflegestelle, und der Verein hatte keine Kapazitäten, mich aufzunehmen. Danach wurde auf Facebook weiter gejammert, x-fach gepostet, immer wieder die Dringlichkeit betont und auf die Tränendrüse gedrückt. Um euch zu beruhigen: Es ist schließlich gut ausgegangen, und es wurde eine Pflegestelle gefunden.

Direktadoption versus Pflegestelle

Die Direktadoption steht derzeit in der öffentlichen Kritik. Der Vorwurf lautet, dass auf diesem Weg Hunde nach Deutschland kommen, die schließlich in deutschen Tierheimen landen, die ohnehin schon überfüllt sind. Wie gesagt: Ein seriöser Verein hat einen Plan B, damit genau das nicht passiert.

Je nachdem, wie ein Verein organisiert ist, wie groß er ist und wie viele Helfer er hat, kennt er die Hunde in seiner Obhut unterschiedlich gut.

 In einem großen Shelter ist es einfach nicht möglich, alle Tiere wirklich gut zu kennen. Bei einer Direktadoption besteht daher ein größeres Risiko, dass Angaben und Einschätzungen nicht zutreffen. Ich hatte zweimal Glück: Mona und Choco wurden direkt adoptiert und alles passte.

Bei der Adoption von einer Pflegestelle ist das anders. Die Pflegestelle hat die Möglichkeit, den Hund wirklich kennenzulernen. Viele Hunde verändern ihr Verhalten, wenn sie angekommen sind und sich sicherer fühlen. Wer einen Hund von der Pflegestelle adoptiert, kann der Beschreibung in der Regel vertrauen und hat außerdem die Möglichkeit, den Hund persönlich kennenzulernen, bevor die Entscheidung fällt.

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