Nahaufnahme von Mona im Profil mit weit geöffnetem Maul und weit heraushängender, dunkelrosa Zunge beim Hecheln in der Sonne.

Hitzschlag beim Hund: Die neue Erste Hilfe

Mit dem Sommer kommen alte Fragen wieder auf. Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund einen Hitzschlag bekommt? Choco ist Seniorin und Herzpatientin – Risikogruppe in zweifacher Hinsicht. Genau das hat mich veranlasst, mich aktuell einzulesen. Und ich war überrascht, wie deutlich sich die Empfehlungen verschoben haben.

Was sich geändert hat

Hitzschlag bleibt ein Notfall. Verschoben hat sich die Reihenfolge der Maßnahmen. Die alte Linie in vielen deutschen Ratgebern lautete: möglichst schnell zum Tierarzt, dort wird gekühlt.

Die neue Linie der Notfallmedizin – getragen von der Bundestierärztekammer – heißt: Cool first, transport second: erst kühlen, dann transportieren. Die Kühlung muss effektiv sein, nicht zaghaft.

Der Grund liegt in der Biochemie. Ab einer Körperkerntemperatur von etwa 40,5 Grad beginnt der eigentliche Schaden, ab über 41 Grad wird es akut lebensbedrohlich. Gehirn, Herz, Leber und Nieren nehmen Schaden, körpereigenes Eiweiß denaturiert. Jede Minute, in der der Körper überhitzt, zerstört Gewebe.

Wichtig zur Begrifflichkeit: „Kalt“ meint kühles Leitungswasser, etwa 16 bis 20 Grad. Eiswasser und Eisbäder bleiben tatsächlich problematisch, weil sie die Hautgefäße schockartig verengen und die Wärme im Körperkern festhalten. Dieser eine Punkt aus der alten Lehre stimmt nach wie vor.

Hitzschlag beim Hund: Symptome erkennen

Ein Hitzschlag entwickelt sich stufenweise. Wer die frühen Anzeichen kennt, kann rechtzeitig handeln.

Anfangs zeigt sich starkes, ungewöhnlich anhaltendes Hecheln mit hochroten Schleimhäuten, vermehrtem Speichelfluss und Unruhe. Der Hund streckt den Hals, sucht aktiv nach einem kühlen Platz.

Schreitet die Überhitzung fort, kommen Apathie, Taumeln oder ein unsicherer Gang dazu. Erbrechen oder Durchfall können auftreten, die Atmung wird schnell und flach. Das Tier wirkt teilnahmslos.

Bei einer Körperkerntemperatur über 41 Grad spricht man vom akuten Notfall. Die Schleimhäute werden blass, trocken oder bläulich – ein Zeichen des Kreislaufkollapses. Krämpfe, Bewusstseinsstörungen und schließlich Bewusstlosigkeit können folgen.

Eine schnelle Orientierung bietet die „kapillare Rückfüllzeit“ am Zahnfleisch: Drückt man kurz fest mit dem Daumen darauf, sollte sich die weiße Stelle in weniger als zwei Sekunden wieder rosa füllen. Beträgt die Zeit zwei Sekunden oder mehr, deutet das auf beginnende Kreislaufstörungen hin.

Erste Hilfe nach dem aktuellen Stand

Erst kühlen, dann transportieren – das ist die Reihenfolge. Bei der Methode unterscheidet die Bundestierärztekammer zwischen zwei Gruppen.

Bei jungen, gesunden Hunden ist das Eintauchen in kaltes Wasser am effektivsten. Ein See, ein Bach oder ein Pool in der Nähe – damit ist es schon fast geschafft. Zu Hause helfen Wanne, Dusche oder Gartenschlauch. Der Kopf bleibt zwingend über Wasser. Das gesamte Fell wird durchnässt, der Rumpf zuerst.

Bei älteren oder vorerkrankten Hunden wird zur Verdunstungskühlung geraten. Der Hund wird mit Wasser benetzt, zusätzlich sorgt ein Ventilator in einigen Metern Abstand für Luftbewegung. Die Verdunstung entzieht dem Körper Wärme. Diese Methode wirkt etwas langsamer als das Tauchbad, belastet den angeschlagenen Kreislauf aber deutlich weniger. Für Choco wäre das die Methode der Wahl.

Was in beiden Fällen gilt:

Nasse Handtücher gehören UNTER den Hund, an den haarlosen Bauch. Drauflegen wirkt wie ein Gewächshaus und staut die Hitze. Beim Unterlegen sollten die Tücher häufig gewechselt werden.

Bei Bewusstsein darf der Hund kühles, frisches Wasser angeboten bekommen. Einflößen ist tabu, weil das Wasser sonst in die Lunge geraten kann.

Idealerweise hilft eine zweite Person: Sie ruft parallel zur Kühlung den Tierarzt an und kündigt die Ankunft an, kühlt das Auto vor der Fahrt herunter und übernimmt während der Fahrt die weitere Kühlung.

Wer besonders gefährdet ist

Das Risikoprofil wird bestimmt durch Alter, Konstitution und körperliche Merkmale:

  • Senioren über zwölf Jahre, weil die Thermoregulation nachlässt
  • Hunde mit Herz-, Atemwegs- oder Hormonerkrankungen
  • übergewichtige Hunde, weil Fettgewebe isoliert und die Atmung belastet
  • Welpen
  • Hunde mit langem oder doppelhaarigem Fell
  • Hunde mit kurzer Schnauze, weil die Atmung anatomisch eingeschränkt ist

Übrigens regulieren Hunde  ihren Hitzestress nicht zuverlässig selbst. Mit steigender Körpertemperatur sinkt der Antrieb, einen kühleren Ort aufzusuchen. Die Entscheidung, wann der Hund ins Kühle kommt, treffen die Halter.

Wie schnell man hier als Halterin gefordert ist, habe ich gerade erst im Urlaub erlebt. Choco und ich haben zehn Tage im Haus einer Freundin auf dem Land verbracht, mit großem Garten und den ersten richtig heißen Tagen. Choco hat sich mehrfach in die pralle Sonne gelegt. Ich saß auf der Terrasse im Schatten und bin alle paar Minuten zu ihr hinübergegangen, habe geschaut, sie angesprochen, ihren Atem beobachtet. Sie ist jedes Mal von selbst aufgestanden und in den Schatten gegangen. Aber genau das ist der Punkt: Sie hätte es auch nicht mehr schaffen können. Bei einer Seniorhündin mit Herzerkrankung kann sich das innerhalb kurzer Zeit ändern. Im Haus war es trotz der Hitze draußen kühl, sodass ich Choco bei Bedarf jederzeit hätte hineinholen können.

Auch nach scheinbarer Erholung zum Tierarzt

Das ist der Punkt, den viele Quellen einhellig betonen. Komplikationen können sich erst 24 bis 72 Stunden später zeigen: Nierenversagen, Blutgerinnungsstörungen, Hirnödem. Wer einen Hitzschlag gerade noch abgewendet hat, fährt trotzdem zum Tierarzt. Bluttest und Kontrolluntersuchung gehören dazu.

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