Hund aus dem Ausland adoptieren — welche Fragen du dir vorher stellen solltest
Wer beschließt, einen erwachsenen Hund aus dem Auslandstierschutz zu adoptieren, wird früher oder später mit einem Fragebogen konfrontiert. Tierschutzvereine stellen diese Fragen nicht aus Neugier, sondern weil sie sicherstellen wollen, dass der Hund in ein passendes Zuhause kommt.
Ich habe mit Mona und Choco zwei Hunde aus dem Auslandstierschutz übernommen und mir diese Fragen selbst gestellt — am besten hat man sie schon durchdacht, bevor man den Fragebogen ausfüllt.
Bin ich bereit, Verantwortung zu übernehmen?
Das ist das Fundament jeder Adoption. Verantwortung bedeutet in diesem Kontext, für ein gesamtes Hundeleben einzustehen – mit allen Konsequenzen. Man geht Risiken ein, verzichtet auf Spontaneität und plant den Urlaub fortan um den Vierbeiner herum. Wer hier nicht aus voller Überzeugung mit „Ja“ antworten kann, sollte von einer Adoption absehen.
Wer nicht allein lebt, sollte das mit dem Partner, der Partnerin, der Familie oder der Wohngemeinschaft besprechen. Alle Beteiligten müssen die Entscheidung mittragen.
Viele Vereine fragen explizit nach möglichen Abgabegründen. Ich würde alles versuchen, Choco bei mir zu behalten. Für mich persönlich gäbe es nur ein einziges Szenario, in dem ich sie abgeben würde: eine so schwere eigene Erkrankung, dass eine Versorgung unmöglich wäre.
Wer sich ehrlich mit diesem Thema auseinandersetzt, bevor der Hund einzieht, ist auf das Wesentliche vorbereitet.
Was erwarte ich von dem Hund? Welche Charaktereigenschaften soll er mitbringen?
Persönliche Vorlieben spielen natürlich eine Rolle: Der Hund sollte einen optisch ansprechen, was rein subjektiv ist. Vor allem aber müssen Größe, Alter und Charakter zur eigenen Lebenssituation passen. Besonders wichtig wird das, wenn Kinder im Haushalt leben oder andere Tiere.
Als ich Mona adoptierte, wollte ich eine erwachsene Hündin, nicht zu klein, nicht zu groß. Sie sollte körperlich in der Lage sein, Treppen zu laufen, und durfte nicht zu ängstlich sein, weil sie in der Stadt klarkommen musste.
Choco war schon eine Seniorin und hatte vermutlich ein Jahrzehnt auf der Straße hinter sich. Es war unbekannt, wie sie auf eine Großstadt, Straßenlärm und das Leben in einer Wohnung reagieren würde. Da sie einen Umweg über einen Pferdehof machte, bevor sie zu mir kam, konnte ich es immerhin ahnen.
Man muss sich also ehrlich fragen, was das eigene Umfeld zulässt. Bei der Größe stellt sich zum Beispiel die ganz pragmatische Frage: Kann ich den Hund im Notfall auch tragen? Bei einem Hund mit Gelenkproblemen im Alter könnte das irgendwann relevant werden.
Passt ein aktiver Hund zu mir oder eher ein ruhigerer? Wünsche ich mir einen sportlichen Begleiter? Bin ich gerne stundenlang in der Natur unterwegs? Ist es mir wichtig, zu kuscheln? Bin ich selbst eher zurückhaltend und wünsche mir einen Hund, der ebenso ist und nicht überall im Mittelpunkt steht und auf „dicke Hose“ macht? Oder wünsche ich mir gerade das?
Auch der Rasse-Mix sollte kritisch betrachtet werden. Im Auslandstierschutz gibt es viele Herdenschutzhund-Mixe. Diese Hunde brauchen optimalerweise ein Grundstück, das sie beschützen dürfen, und gehören nicht in eine Stadtwohnung. Sie sind auch anspruchsvoll im Umgang und keine „Kuschelbären“.
Ich habe mich beide Male für einen konkreten Hund beworben. Tierschutzvereine beraten aber auch, wenn man seine Vorstellungen schildert.
Habe ich genug Zeit?
Wie viele Stunden ist der Hund allein? Kann ich ihn mit zur Arbeit nehmen? Habe ich genug Zeit, um seinen Bedürfnissen nach Bewegung und Aufmerksamkeit gerecht zu werden? Wenn es zeitlich mal knapp wird, gibt es jemanden, der einspringen kann? Diese Fragen sollte man nicht nur theoretisch beantworten, sondern konkret für den eigenen Tagesablauf durchdenken.
Mona konnte ich mit ins Büro nehmen, aber auch das musste erst funktionieren. Ich habe mir nach ihrer Ankunft zwei Wochen Urlaub genommen, damit wir uns in Ruhe aneinander gewöhnen konnten, bevor der Arbeitsalltag losging.
Bei uns haben zwei Wochen gereicht, aber das kann bei jedem Hund anders sein. Deshalb ist es gut, wenn man sich noch mehr Zeit nehmen kann. Ein Hund, der gerade aus einem anderen Land angereist ist, eine fremde Umgebung vorfindet und einen Menschen vor sich hat, den er nicht kennt, braucht in den ersten Tagen jemanden, der verlässlich da ist und Geduld hat.
Passt ein Hund in meine Wohnsituation?
Ein Haus mit eingezäuntem Garten ist sicher das Optimum, aber keine zwingende Voraussetzung für ein glückliches Hundeleben. Auch eine kleine Wohnung ist völlig in Ordnung, solange der Hund einen festen Rückzugsort hat – eine ruhige Ecke mit Körbchen oder Decke, in der er ungestört schlafen kann.
Wichtiger als der Garten ist die tägliche Auslastung außerhalb der vier Wände. Eine Ausnahme bilden ängstliche Hunde, die sich anfangs oft nur in einem gesicherten Garten lösen können. Für einen zutraulichen Hund ist die Stadtwohnung meist kein Problem.
Ich wohne selbst in einer Wohnung mitten in der Stadt im zweiten Stock, ohne Garten und ohne Fahrstuhl. Das bedeutet: Der Hund muss Treppen laufen können, und zwar mehrmals täglich. Bei einem älteren Hund oder einem Tier mit Gelenkproblemen kann das schwierig werden. Aber auch ein körperlich fitter Hund kennt Treppen vielleicht gar nicht. Mona war jung und gesund, weigerte sich aber in den ersten Tagen, die Treppen zu steigen. Ich musste sie anfangs tragen.
Wer in einer Mietwohnung wohnt, muss unbedingt vor der Adoption die Zustimmung vom Vermieter einholen. Einen Hund wieder abgeben zu müssen, weil die Haltung untersagt wird, ist für alle Beteiligten eine Katastrophe.
Zudem sollte man bereit sein, die Wohnung ein Stück weit anzupassen. Mona ist mit dem glatten Laminat sehr gut zurechtgekommen. Als sie älter war, trug sie Söckchen, um nicht zu rutschen. Choco kommt richtig ins Schlingern, wenn sie es mal besonders eilig hat. Ich habe für sie den langen Flur und ein paar andere Orte in der Wohnung mit Teppichen ausgelegt, obwohl ich Teppiche nicht besonders gern mag.
Und man sollte sich ehrlich fragen, wie viel Schmutz man erträgt. Ein Hund bedeutet Dreck und Haare, insbesondere im Fellwechsel. Ich mag es gerne ordentlich und sauber. Obwohl ich mehrmals täglich zum Staubsauger greife, kann ich meinem Anspruch nicht mehr vollständig gerecht werden. Wer ein Auto hat, muss auch dort mit Dreck rechnen. Selbst mit Vorkehrungen wie Hundedecken lässt er sich nicht vollständig verhindern.
Kann ich mir den Hund leisten?
Die Schutzgebühr ist eine einmalige Zahlung, ebenso die Erstausstattung mit Geschirr, Leine, Napf und Bettchen. Danach kommen die eigentlichen Kosten, die man sich über Jahre leisten können muss: Futter, Haftpflichtversicherung, Hundeschule, Hundesteuer, jährliche Impfungen, Entwurmungen, Tierarzt, gegebenenfalls Medikamente.
Diese Posten sollte man einmal durchrechnen und dem eigenen Budget gegenüberstellen. Kleinere Beträge summieren sich über die Lebenszeit des Hundes zu erheblichen Kosten.
Bei einem erwachsenen Hund aus dem Auslandstierschutz sollte man mit einem gründlichen Erstcheck beim Tierarzt rechnen, bei dem Blutbild, Reisekrankheiten und der allgemeine Gesundheitszustand abgeklärt werden.
Bei Choco kam einiges zusammen. Sie brachte Reisekrankheiten mit, hatte Zahnprobleme und einen Lidrandtumor. Dass sie eine Herzerkrankung hat, stellte sich später heraus, als ihre Lunge geröntgt wurde und dabei das vergrößerte Herz auffiel. Eine Krankenversicherung war für sie aufgrund ihres Alters und ihrer Vorgeschichte nicht mehr abschließbar. Solche Kosten fallen dann ohne Netz an und können sich schnell summieren.
Übrigens: Die Höhe der Hundesteuer variiert in Deutschland je nach Kommune und reicht von 15 € bis 186 € im Jahr für den ersten Hund. Der zweite ist in der Regel noch teurer. In Bremen zahle ich 150 € jährlich.
Man braucht nicht reich zu sein, um einen Hund zu halten. Geld eröffnet aber viele Möglichkeiten, wenn mal etwas schiefläuft. Es ist ratsam, rechtzeitig für den Notfall etwas beiseitezulegen.
Wie komme ich klar, wenn es nicht so läuft, wie gedacht?
Was ist, wenn es nicht so läuft, wie gedacht? Was mache ich, wenn der Hund doch scheu ist oder nicht stubenrein ist? Wie gehe ich damit um, wenn Krankheiten auftauchen, die eine besondere Versorgung benötigen? Was tue ich, wenn er nicht alleine bleiben kann, Gegenstände zerstört oder bellt?
Dann sollte man nicht sofort aufgeben, sondern nach Lösungen suchen und bereit sein, sich Hilfe zu holen, zum Beispiel bei einer Hundetrainerin oder einem Hundetrainer. Ein seriöser Tierschutzverein unterstützt ebenfalls, wenn es Probleme gibt. Abgesehen vom Jagdtrieb hatte ich keine größeren Probleme mit Mona, habe aber trotzdem regelmäßig mit ihr eine Hundeschule besucht. Vielleicht hat genau das dazu beigetragen, dass keine weiteren Probleme entstanden sind. Es hat sehr viel Spaß gemacht und Mona und mich enger zusammengebracht.
Monas Jagdtrieb ließ erst im Alter nach. Ich hatte mir das anders gewünscht, denn ich wollte sie als Reitbegleithund auf Ausritte mit meinem Pferd mitnehmen. Ich musste lernen, damit umzugehen.
Die bereits ältere Choco dreht durch, wenn sie Rehe sieht. Leider gibt es das ganze Jahr über viele Rehe in unmittelbarer Umgebung vom Stall. Dort werde ich sie nie von der Leine lassen können. Damit sie regelmäßig Freilauf haben kann, suche ich andere Gebiete auf, in denen ich sie an der Schleppleine laufen lasse, oder gehe auf den Hundefreilaufplatz.
Auch Krankheiten können eine unschöne Überraschung bescheren und einen ganz schön fordern – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Bei Choco wurde bei einem Röntgen der Lunge ein vergrößertes Herz entdeckt. Der anschließende Herzultraschall beim Kardiologen bestätigte die Diagnose. Solche Befunde kann man nicht voraussehen, aber man sollte sich innerlich darauf vorbereiten, dass sie möglich sind.
Bei Choco war der Übergang vom Pferdehof in die Stadt schrittweise und dadurch relativ sanft. Bei Mona ging es vom Flughafen direkt in den Alltag, und sie weigerte sich, die Treppen in den zweiten Stock zu laufen. Ich musste sie anfangs tragen. Beides hat funktioniert, aber auf sehr unterschiedliche Weise, und beides brauchte Geduld.
Woran erkenne ich einen seriösen Tierschutzverein?
Wenn es konkret wird, ist das eine der wichtigsten Fragen überhaupt. An der Seriosität des Vereins entscheidet sich, ob man verlässlich begleitet wird oder am Ende mit Problemen alleine dasteht.
Ein seriöser Verein stellt ausführliche Fragen und führt eine Vorkontrolle durch. Er hat einen eingetragenen Vereinsstatus, arbeitet mit Schutzverträgen, lässt sich Zeit bei der Vermittlung, steht auch nach der Adoption als Ansprechpartner zur Verfügung und hat einen Plan B, falls die Vermittlung wider Erwarten nicht klappt. Außerdem reist der Hund mit allen erforderlichen Papieren ein: Heimtierausweis, Nachweise über Impfungen und die Traces-Ausreisepapiere für den Transport innerhalb der EU.
Ich hatte mich zunächst als Pflegestelle für Mona beworben. Während ich wartete, meldete der Verein, dass es eine andere Interessentin gebe, die Mona als Endstelle übernehmen wolle. Nach einiger Zeit meldete sich der Verein wieder: Die Interessentin hatte die Vorkontrolle nicht bestanden, und Mona war wieder verfügbar. Dass der Verein lieber eine bereits eingeleitete Vermittlung platzen ließ, als den Hund in ein ungeeignetes Zuhause zu geben, hat mir gezeigt, dass dort die richtigen Prioritäten gesetzt wurden.
Bei Mona kam für die Vorkontrolle ein Ehepaar zu mir in die Wohnung. Es ging um die üblichen Themen: Wohnsituation, Arbeitszeiten, Erfahrung mit Hunden, Betreuung im Urlaub. Ob das Gespräch angenehm war oder nicht, spielt keine Rolle — es fand statt, und das zählt. Wenn ein Verein keine Vorkontrolle macht und keine Fragen stellt, sollte man skeptisch werden. Dasselbe gilt, wenn auf Schnelligkeit gedrängt wird oder die Kommunikation ausweichend ist.
Bei Choco fand die Vorkontrolle auf dem Pferdehof statt, und nachdem Choco ein paar Tage dort war, kam die beauftragte Tierschützerin zu Besuch, um Choco persönlich kennenzulernen und zu gucken, wie es ihr geht.
Pflegestelle oder Direkt-Adoption?
Was man über einen Tierschutzhund im Vorfeld erfährt, hängt sehr davon ab, wo er zuletzt gelebt hat. Aus einem Shelter kommt oft nicht mehr als eine kurze Beschreibung: geschätztes Alter, Verträglichkeit mit anderen Hunden, vielleicht ein paar Worte zum Charakter. In einem Shelter mit vielen Hunden ist es kaum möglich, einen einzelnen so zu beobachten, dass verlässliche Aussagen über sein Verhalten im Alltag möglich wären.
Von einer Pflegestelle bekommt man dagegen viel genauere Informationen. Die Pflegestelle kann berichten, wie der Hund sich in einer Wohnung verhält, ob er stubenrein ist, wie er auf Alltagsgeräusche reagiert und ob er mit Katzen oder Kindern zurechtkommt. Eine seriöse Pflegestelle gehört zu einem seriösen Verein.
Viele Menschen denken: Einem Hund auf einer Pflegestelle geht es doch gut — warum sollte ich ausgerechnet den nehmen, anstatt einem Hund zu helfen, der noch unter schlechten Bedingungen lebt? Dieser Gedanke ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Wenn ein Hund von der Pflegestelle endgültig vermittelt wird, wird ein Platz frei. Diesen Platz nimmt ein Hund ein, der noch unter schlechten Bedingungen lebt. Die Pflegestelle nimmt ihn auf, gibt ihm Zeit, lässt ihn ankommen und macht aus einem verängstigten, oft traumatisierten Tier einen Hund, der bereit für ein Zuhause ist. Wer einen Hund von der Pflegestelle adoptiert, rettet also nicht nur diesen einen Hund, sondern gibt dem nächsten die Chance, denselben Weg zu gehen.
Perfektion ist keine Voraussetzung
Die Fragen auf einem Adoptionsfragebogen laufen im Grunde auf eine einzige Frage hinaus: Bin ich bereit, mein Leben an diesen Hund anzupassen? Ein erwachsener Hund aus dem Auslandstierschutz bringt eine Vergangenheit mit, die man nicht kennt. Er kann gesund sein oder krank, entspannt oder ängstlich, sofort stubenrein oder nicht. Wer sich vorher die richtigen Fragen stellt und sie ehrlich beantwortet, wird von vielem weniger überrascht.
Sich gut vorzubereiten und Fragen zu klären, ist selbstverständlich. Wer aber versucht, alles zu planen und für jede Eventualität gewappnet zu sein, wird scheitern. Dann könnte auch kein einziger Hund adoptiert werden, denn das Leben hält zu viele Überraschungen bereit, um alles im Voraus planen zu können. Keine Vorbereitung ersetzt die Erfahrungen, die erst im gemeinsamen Alltag entstehen. Hunde brauchen keine Perfektion. Sie brauchen Verlässlichkeit und jemanden, der Verantwortung zeigt und immer versucht, eine Lösung zu finden, wenn es mal nicht so gut läuft.
