Kühlmatten für Hunde: Welche kühlt wirklich?
In meinem Schrank liegt noch eine alte Kühlmatte von Trixie, die ich damals für Mona gekauft hatte. Sie funktioniert über ein Gel, das auf den Körperdruck des Hundes reagiert und die Wärme ableitet. Die Matte lässt sich zusammenklappen und braucht keine Vorbereitung. Allerdings gibt es ein praktisches Problem: Da Mona deutlich kleiner war als Choco, passt die Matte von der Größe her nicht optimal.
Für diesen Sommer hatte ich eigentlich die Hoffnung, dass es inzwischen neue Technologien auf dem Markt gibt, die besser und ausdauernder kühlen als die altbekannten Modelle. Die Auswahl auf dem Markt ist aber leider überschaubar, und im Grunde gibt es nur drei relevante Systeme.
Die klassischen Gel-Matten
Die bekannteste Variante ist die Gelkühlmatte. Sie funktioniert wie bei meiner alten Trixie-Matte über ein spezielles Gel, das auf den Körperdruck des Hundes reagiert. Liegt der Hund auf der Matte, nimmt das Gel die Körperwärme auf und gibt sie an die Umgebung ab. Dadurch entsteht ein leicht kühlender Effekt, der meist einige Grad unter der Umgebungstemperatur liegt.
Ist die Matte aufgewärmt, muss der Hund sie für eine Weile verlassen, damit sich das Gel regenerieren kann. Wenn die Kühlmatte also nach einiger Zeit nicht mehr kühlt, ist das kein Defekt, sondern liegt am aufgewärmten Gel.
Bei Markenherstellern wie Trixie ist das verwendete Gel ungiftig, was ein wichtiges Sicherheitskriterium ist. Auf Plattformen wie Amazon finden sich zudem unzählige günstige No-Name-Modelle, bei denen man in den Rezensionen allerdings immer wieder von geplatzten Nähten und auslaufender Flüssigkeit liest.
Kühlt Eisseide wirklich?
Häufig findet man im Netz auch sogenannte Kühlmatten aus „Eisseide“ oder Mesh-Gewebe. Hierbei handelt es sich um reine Stoffmatten. Sie fühlen sich im ersten Moment auf der Haut zwar kühl an, besitzen aber keinen echten Wärmespeicher und bieten dem Hundekörper somit keine aktive Kühlung. Dass diese Stoffmatten auf manchen Portalen als Testsieger geführt werden, ist oft rein kommerziellen Gründen geschuldet und keine Empfehlung aus der Praxis.
Aktives Wasserkreislauf-System
Die einzige wirkliche technische Alternative zu den Gel-Matten ist ein System, das mit einem echten Wasserkreislauf arbeitet, wie es von Coolnis angeboten wird. Hier wird über eine Pumpe normales Leitungswasser durch die Matte geleitet. Es gibt ein kompakteres Modell („Lambert“) und eine Variante mit einer stärkeren Pumpe für unterwegs. Dieses System arbeitet im Niederspannungsbereich und der Bezug ist abwischbar. Über ein Stecksystem lässt sich die Matte auch ohne aktive Kühlung nutzen.
Preislich liegt dieses System allerdings in einer ganz anderen Liga – die Anschaffung kostet rund 299 Euro. Beim Lesen der Rezensionen bleiben allerdings berechtigte Zweifel, wie verlässlich und dauerhaft diese Kühlung im Alltag tatsächlich funktioniert und ob der Aufwand mit Pumpe und Kabeln den Nutzen am Ende rechtfertigt. Die Bewertungen bei Fressnapf fallen kritisch aus, und selbst auf der Hersteller-Website werden Lautstärke und kleines Kühlelement bemängelt.
Verdunstungskühlung: HydroQuartz
Nachdem dieser Artikel schon online war, bin ich auf ein viertes System gestoßen, das ich vorher schlicht übersehen hatte: die Kühlmatte von Aqua Coolkeeper mit HydroQuartz-Kristallen. Wirklich neu ist das nicht, die Marke gibt es schon seit 1992 und sie bezeichnet sich selbst seit über elf Jahren als Marktführer in Europa. Neu war die Technologie also nur für mich.
Das Prinzip unterscheidet sich komplett von der Trixie-Matte. Man legt die Matte für bis zu 45 Minuten ins Wasser, je nach Größe unterschiedlich lang, und die HydroQuartz-Kristalle im Inneren saugen sich voll und werden zu einem Gel. Gekühlt wird dann nicht über Körperdruck, sondern über Verdunstung: Die im Gel gespeicherte Feuchtigkeit gibt langsam Wärme ab.
Starke Kühlung, schwache Akzeptanz
Ich habe mir die Größe L gekauft, 80 mal 60 Zentimeter. Gewässert habe ich sie in der Badewanne, danach war die Oberfläche schnell handtrocken und hat kein Wasser mehr abgegeben, nur noch etwas feucht war sie. Die Kühlleistung hat mich wirklich überzeugt: deutlich kühler als die Gel-Matte, und das über mehrere Tage hinweg, nicht nur für 20 Minuten. Durch das aufgesogene Wasser wird die Matte natürlich dicker und schwerer. Von der Badewanne zum Auto zu tragen war für mich kein Problem, stundenlang schleppen möchte ich sie aber nicht.
Der Haken liegt woanders. Choco wollte partout nicht drauf. Weder im Auto noch beim Testen in der Wohnung hat sie sich freiwillig hingelegt. Erst mit etwas Training und mit den allerbesten Leckerlis habe ich sie dazu überreden können, sich auf die Matte zu legen. Sobald aber keine Leckerlis mehr kamen, stand sie wieder auf. Ob das am bunten Muster liegt, an der ungewohnten Kühle oder einfach daran, dass es bisher noch nicht wieder richtig heiß war und sie den Bedarf gar nicht hatte, kann ich nicht sagen. Am besten kann ich mir die Matte fürs Auto vorstellen, weil sie schmal genug ist, um gut auf den Rücksitz zu passen, gerade in den ersten heißen Minuten, bevor die Klimaanlage greift.
Für die spezielle Wässerungstechnologie mit HydroQuartz habe ich bislang keinen zweiten Anbieter gefunden, alle anderen Kühlmatten auf dem Markt arbeiten mit dem klassischen Druckgel wie die Trixie-Matte. Aqua Coolkeeper hat aber noch andere Produkte mit derselben Technologie im Programm, darunter Kühlhalsbänder und Bandanas. Ich hatte kurz überlegt, mir zusätzlich ein Bandana zu bestellen, weil ich dachte, dass Choco die vielleicht eher annimmt als eine Matte, auf die sie sich erst selbst legen muss. Ich konnte mich dann aber doch nicht dazu durchringen. Die Idee lasse ich mir trotzdem offen.
Langanhaltende Kühlung - wenn der Hund mitmacht
Am Ende bleibt es kompliziert, die eine richtige Empfehlung zu geben. Bei der reinen Kühlleistung schlägt HydroQuartz die klassische Gel-Matte deutlich, sie kühlt stärker und hält viel länger durch. Ob das bei deinem Hund ankommt, hängt aber komplett vom Hund selbst ab. Choco wollte freiwillig nicht drauf, und ohne Akzeptanz nützt auch die beste Kühlung nichts.
Für den Fall der Fälle habe ich die Trixi-Gel-Matte und probiere es weiterhin mit der neuen Matte – in der Hoffnung, Choco kann sich mit der Zeit mit ihr anfreunden. Wenn es diesen Sommer wieder richtig heiß wird, teste ich die HydroQuartz-Matte also unter echten Bedingungen weiter. Außerdem nehme ich sie mit ins Auto, wo sie durch ihre schmale Form gut passt und mir am sinnvollsten erscheint, gerade in den ersten heißen Minuten der Fahrt, bevor die Klimaanlage das Fahrzeug heruntergekühlt hat. Und vielleicht probiere ich irgendwann auch das Bandana aus.