Giardien: Schrecken aller Hundebesitzer
Kaum ein Befund lässt Hundebesitzer so zusammenzucken wie Giardien. Gefährlich sind die Einzeller meist nicht, hartnäckig dafür umso mehr. Sie kommen zurück, obwohl der Hund längst Antibiotika bekommen hat, obwohl die Wohnung geputzt wurde, obwohl der letzte Test negativ war. Mona hat das am eigenen Leib erlebt, über drei Monate hinweg.
Was sind Giardien?
Giardien sind einzellige Parasiten, die sich im Dünndarm von Hunden festsetzen. Sie sind weit verbreitet, ein Kontakt lässt sich über ein Hundeleben hinweg kaum vermeiden. Viele Hunde zeigen dabei gar keine Symptome, scheiden die Erreger aber trotzdem aus und stecken andere Tiere an. Zeigen sich Symptome, ist meist Durchfall das erste Anzeichen, oft gelblich-schleimig, teilweise blutig und übelriechend, dazu Appetitlosigkeit und möglicher Gewichtsverlust. Bei Mona war es der Durchfall mit Blut im Stuhl, an dem ich es gemerkt habe.
Nachgewiesen werden Giardien über eine Kotprobe beim Tierarzt, teils per Schnelltest mit einem Ergebnis nach rund 15 Minuten. Weil die Erreger nicht gleichmäßig ausgeschieden werden, braucht es manchmal mehrere Proben an unterschiedlichen Tagen für ein zuverlässiges Ergebnis. Ein einzelner negativer Test schließt eine Infektion also nicht sicher aus, das sollte man im Hinterkopf behalten.
Wie kommt der Hund zu einer Giardien-Infektion?
Übertragen werden Giardien über den Kot infizierter Tiere, aufgenommen wird der Erreger über das Maul, schon wenige Zysten reichen für eine Ansteckung. Typische Ansteckungsquellen sind stehendes Wasser wie Pfützen oder Tümpel, gemeinschaftlich genutzte Wassernäpfe unterwegs, das Beschnüffeln von Kot oder dem Hinterteil anderer Hunde. Die ausgeschiedenen Zysten sind sehr widerstandsfähig und überleben in feuchter Umgebung mehrere Wochen, unter feucht-kalten Bedingungen sogar bis zu drei Monate. Genau das erklärt, warum sich ein Zuhause mit Hund nie vollständig giardienfrei bekommen lässt. Die Behandlung wirkt zwar gegen die akute Infektion, schützt aber nicht vor einer erneuten Ansteckung aus der Umgebung. Bleibt der Test nach der Behandlung positiv oder kommt der Durchfall zurück, liegt das fast immer an genau dieser Reinfektion, nicht an einer wirkungslosen Behandlung. Bei älteren oder immungeschwächten Hunden kann sich das entsprechend hinziehen.
Monas hartnäckige Infektion
Als Mona Giardien bekam, war sie schon eine ältere Hündin, ihr Immunsystem längst nicht mehr so stark wie in jungen Jahren. Sie fraß plötzlich nicht mehr richtig, hatte Durchfall und Blut im Stuhl. Die Kotprobe beim Tierarzt bestätigte den Verdacht sofort, der Giardientest war eindeutig positiv. Sie bekam zunächst Panacur, kein Antibiotikum, um sie nicht zusätzlich zu belasten. Im Rückblick war das die falsche Entscheidung, es hat den Behandlungserfolg nur hinausgezögert. Der Durchfall kam immer wieder, Mona ging es über einen langen Zeitraum richtig schlecht, und sie wurde zunehmend schwächer. Durch den Flüssigkeitsverlust aufgrund des Durchfalls wurde sogar eine Infusion nötig.
Wirklich besser ging es ihr erst, als sie das Antibiotikum Metrobactin bekam, den Wirkstoff Metronidazol, über mehrere Tage verteilt auf Morgen und Abend. Ich dachte, das wäre es gewesen.
Vorbei war es damit aber nicht. Wenige Wochen später kam der Durchfall zurück. Gut drei Monate nach dem ersten Ausbruch kam die letzte Episode – wieder Durchfall und Erbrechen, wieder ein Antibiotikum. Danach fiel der entscheidende Test endlich negativ aus.
Was den Durchfall in dieser Zeit in Schach gehalten hat, war die Morosche Karottensuppe, die ich in großen Mengen für Mona gekocht habe. Durch das sehr lange Kochen der Karotten entstehen Oligosaccharide, die sich wie eine Schutzschicht auf die Darmwand legen. Die Giardien finden dort keinen Halt mehr und werden mit dem Nahrungsbrei ausgeschieden, statt sich erneut festzusetzen.
Vorbeugung und Maßnahmen
Komplett verhindern lässt sich eine Giardien-Infektion kaum. Ich achte trotzdem darauf, meine jetzige Hündin Choco möglichst nicht aus Pfützen, Tümpeln oder anderen stehenden Gewässern trinken zu lassen, und bin bei gemeinschaftlich genutzten Wassernäpfen unterwegs vorsichtig. Zusätzlich hilft ein guter Hygienestandard zuhause, das Risiko zu senken. Im akuten Fall achte ich noch strenger darauf, ohne dabei in Panik zu verfallen. Ganz giardienfrei wird ein Zuhause mit Hund ohnehin nie, das habe ich akzeptiert. Ich putze Chocos Liegeplätze und Näpfe deshalb regelmäßig mit heißem Wasser und wechsle Decken öfter, ohne es zu übertreiben. Bei Blut im Stuhl gehe ich sofort zum Tierarzt, bei Durchfall spätestens nach ein bis zwei Tagen.
Übrigens ...
Giardien sind in der Regel nicht auf Menschen übertragbar. Die meisten Giardien-Varianten sind wirtsspezifisch, Hunde-Giardien bevorzugen also Hunde.