Hündin Choco übt Impulskontrolle am Schnüffelteppich

Impulskontrolle im Alltag

Wenn ich den Schnüffelteppich befülle, sitzt Choco daneben und sieht mir bei jedem Handgriff zu. Das Futter landet direkt vor ihrer Nase, und sie rührt sich trotzdem nicht. Erst mit meinem „Ok“ legt sie los.

Solche Wartemomente ziehen sich durch unseren ganzen Tag. Am Napf setzt sie sich hin, sieht mich an und wartet, bis das „Ok“ kommt. Bei Leckerlis und Kausachen ist es dasselbe. Manchmal schicke ich sie in ihr Bett und lege ihr etwas besonders Begehrtes vor die Pfoten, das sie erst auf mein Signal nimmt. Ein anderes Mal verstecke ich den Futterbeutel im Zimmer, während sie liegen bleibt, und schicke sie mit dem „Ok“ auf die Suche.

Warten lohnt sich

Aufgebaut habe ich das in kleinen Schritten. Ich habe mit den leichten Situationen begonnen, lange bevor die größte Versuchung ins Spiel kam, und anfangs nur in Momenten geübt, die ohnehin ruhig waren. Für mich hieß das vor allem, selbst gelassen zu bleiben und konsequent darauf zu bestehen, auch wenn Choco mal länger brauchte, um sich zurückzunehmen. Heute gehört das Warten so selbstverständlich dazu, dass ich kaum noch darüber nachdenke.

Was draußen passiert

Oft heißt es, ein Hund, der so viel Selbstbeherrschung lernt, lasse draußen auch alles am Boden liegen. Das erlebe ich anders. Choco wartet immer dann, wenn ich danebenstehe und sie die Abfolge kennt: warten, „Ok“ hören, sich freuen. Draußen fehlt dieser Rahmen. Findet sie im Gebüsch ein altes Brötchen, das ich gar nicht gesehen habe, schaltet ihr Gehirn sofort auf den alten Überlebensmodus um. Als ehemaliger Straßenhund fackelt sie bei einer frei verfügbaren Ressource nicht lange. Eine Impulskontrolle, die ohne mich hält, müsste das Brötchen selbst zum Stoppsignal machen, und nicht mich. Am Ende hilft draußen nur eins: Ich muss das Brötchen vor Choco entdecken.

Der Wert liegt für mich woanders. Das kurze Innehalten nimmt die Hektik aus dem Moment vor dem Fressen. Choco beginnt ihre Mahlzeit gelassen, statt den Napf zu stürmen und das Futter hinunterzuschlingen. Ganz nebenbei lernt sie, dass die schönen Dinge über mich laufen, und schaut mich entsprechend aufmerksam an. Das „Ok“ ist dabei längst mehr als ein Signal am Napf: Ich nutze es genauso an der Haustür oder am Auto, bevor es losgeht.

Vor heimlichen Funden im Gebüsch schützt uns das alles nicht. Im Alltag bringt es uns etwas anderes: ein eingespieltes Miteinander und die Gewissheit, dass Choco auf mich achtet.

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