Cindy – die erste Hündin, die mein Herz eroberte
Cindy war die erste Hündin, die mein Herz eroberte. Sie wurde als Welpe von einer Freundin aus dem Tierheim adoptiert. Den Pinscher konnte man in der Mischlingshündin nicht übersehen. Was noch in ihr steckte, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Ich habe Cindy erst richtig kennengelernt, als sie zwar noch jung, aber schon erwachsen war. Sie war damals häufig bei mir. Für ihre Besitzerin war es eine Entlastung, und ich habe mich über Cindys Anwesenheit immer gefreut.
Sie war unkompliziert und fügte sich problemlos in meinen Alltag ein. Ich nahm sie mit zur Arbeit, in den Stall, ins Restaurant – egal wohin ich ging, Cindy war fast immer dabei. Sie folgte gut, deshalb durfte sie die meiste Zeit ohne Leine laufen, auch in der Stadt.
Von nahestehenden Menschen ließ sie sich gerne streicheln, der Kuscheltyp war sie aber nicht. Cindy war aktiv und ein Balljunkie. Stundenlang konnte sie hinter dem Ball herlaufen und ihn zurückbringen, damit er nochmal geworfen wurde. Gab es keinen Ball, ging auch ein Stock oder ein Kuscheltier, das sie beim Zurückbringen wie verrückt schüttelte.
Cindy wäre gerannt, bis sie umfiel, deshalb musste man sie irgendwann stoppen. Sie ist dann auch gut heruntergefahren. Bei der Arbeit nannten wir sie „Stalking Cindy“, denn sie war mir immer auf den Fersen, wenn ich mein Büro verließ. Scheinbar traute sie mir nicht so viel zu und meinte, mich kontrollieren zu müssen. Ich fand das damals witzig. Es gab mit Cindy nie ein Problem, deshalb war es letztendlich egal.
Mona kommt dazu
Obwohl ich Cindy so gerne hatte und sie oft bei mir war – oder gerade deshalb – entwickelte sich bei mir der Wunsch nach einem eigenen Hund. Meine Freundin hatte Bedenken. Sie befürchtete, dass sich meine neue Hündin und Cindy nicht vertragen würden und ich dann als Hundesitter ausfallen müsste. Die Bedenken stellten sich als völlig grundlos heraus.
Als meine griechische Hündin Mona kurze Zeit bei mir war, verabredeten wir uns auf einer großen Grasfläche vor der Uni-Wildnis, einem bei Hundebesitzern beliebten Freilaufgebiet eines Vereins. Ich war mit Mona schon da. Sie butscherte auf der Wiese, schnüffelte, machte Pipi.
Dann kamen meine Freundin und Cindy. Cindy entdeckte mich und kam, um mich zu begrüßen. Mona sah den fremden Hund bei mir und kam ebenfalls. So trafen sich die beiden Hündinnen zum ersten Mal und wurden schließlich gute Freundinnen.
Beste Freundinnen
Viele Male waren meine Freundin und ich mit den beiden Hunden unterwegs, in der Uni-Wildnis und an vielen anderen Orten. Die beiden Hündinnen waren sehr unterschiedlich, kamen aber gut miteinander zurecht. Cindy war aufgeschlossen, frech, manchmal stumpf. Mona war im Verhältnis zu Cindy zurückhaltend. Aber gemeinsam waren sie stark und verbellten so manchen Hund, was sich Mona niemals alleine getraut hätte.
Manchmal gab ich Mona bei meiner Freundin ab. Zu ihr hatte Mona auch ein besonderes Verhältnis. Sie hat sich immer gefreut, wenn ich sie dorthin gebracht habe, und ihr Trennungsschmerz war schnell vergessen. Genauso freute sie sich, wenn Cindy zu Besuch kam.
Cindy war weiterhin oft bei uns, auch wenn das nicht immer gut passte und ich in manchen Phasen lieber Mona abgegeben hätte, statt zusätzlich einen zweiten Hund zu betreuen. Die beiden waren dabei, als mein damaliger Freund auszog. Sie waren dabei, als ich mein Pferd kaufte, und blieben geduldig während der Ankaufsuntersuchung, dem Unterschreiben des Vertrags und den ersten Fotos auf der Weide. Sie begleiteten mich ins Büro, auch wenn ich lange Meetings hatte und eine Kollegin mittags mit ihnen rausging, und sie waren bei großen Familienfeiern dabei. Es war eine schöne, manchmal auch anstrengende Zeit mit beiden Hunden.
Irgendwann gingen die Lebenswege meiner Freundin und mir in verschiedene Richtungen, und auch Cindy und Mona mussten sich trennen. Mona hatte schon eine neue gute Freundin gefunden, aber ich glaube, die Freundschaft zu Cindy war für sie die bedeutendste.
Ein letztes Mal
Durch einen Zufall kam ich nach vielen Jahren mit meiner Freundin wieder in Kontakt. Ich war überrascht, dass Cindy noch lebte, und gleichzeitig sehr erfreut darüber. Allerdings war sie schon recht alt und hatte viele Alterssymptome und Gebrechen. Meine Freundin befasste sich bereits mit Cindys letztem Gang.
Wir beschlossen, uns noch einmal zu einem Spaziergang der beiden Hundefreundinnen zu treffen. Ich fand es schön, dass die beiden sich wiedersehen sollten, und war gespannt, ob sie sich erkennen würden. Wir trafen uns in einem Park, in dem wir auch früher häufig unterwegs gewesen waren. Mein Eindruck war, dass die Hunde eine kurze Zeit brauchten, um sich zu erinnern, dass sie sich dann aber erkannt haben. Es war ein schöner Spaziergang, und die Anwesenheit von Mona machte die vom Alter gezeichnete Cindy wieder richtig munter. Wo die eine schnüffelte, schnüffelte die andere, wo die eine interessiert hintrabte, folgte die andere. Ich hatte selbstgemachte Leberwurst dabei, die ich fast ausschließlich Cindy verabreichte. Meine Freundin und ich zogen in Erwägung, uns nochmal zu treffen, doch dazu kam es nicht mehr. Es war das letzte Mal, dass Mona und ich Cindy gesehen haben.
Wenn ich daran denke, wie sich die beiden Freundinnen ein letztes Mal wiedergesehen haben, kommen mir die Tränen. Cindy ging mit 16 Jahren über die Regenbogenbrücke, und es dauerte nur noch knapp zwei Jahre, bis Mona ihr folgte.






