2. Mona: Ankunft im neuen Zuhause
Um Mona in Hamburg vom Flughafen abzuholen, lieh ich mir das Auto von einer Freundin aus. Ich konnte die Rückbank umklappen und hatte so Platz für die große Reisekiste, in der ich Mona in Empfang nehmen würde. Vom Verein wurde mir eingebläut, Mona auf gar keinen Fall aus der Kiste zu lassen, bevor sie in der Wohnung war – komme was wolle, sollte sie jaulen, bellen, kratzen.
Geduld + Warten
Ich machte mich alleine auf den Weg nach Hamburg, denn mein damaliger Freund zog es vor, einen anderen Termin wahrzunehmen. Am Flughafen angekommen, dauerte es nicht lange, bis Monas Flieger landete. Ungeduldig wartete ich am Gate. Tatsächlich kamen einige Passagiere mit Hundetransportboxen aus dem Ankunftsbereich. Mona kam in Begleitung von einem Flugpaten und ich hatte keine Ahnung, wer das sein würde. Die anderen Menschen mit Boxen wurden direkt von Wartenden in Empfang genommen, manche ließen die Hunde direkt aus den Boxen raus. Dann wurde der Strom der Ankommenden immer dünner. War Mona nicht beim Flug dabei? War etwas schiefgelaufen?
Als ich schon gar nicht mehr so recht daran glaubte, kam schließlich ein junger Mann mit einem Wagen, auf dem eine sehr große Transport-Box stand und sah sich suchend um. In der Box war Mona und der junge Mann ihr Flugpate. Er hatte sehr lange auf sein Gepäck warten müssen und gehörte deshalb zu den letzten Passagieren. Er übergab mit den Wagen samt Kiste und ich machte mich mit Mona auf zum Flughafenparkhaus. Ich konnte die Box problemlos vom Wagen in den Kofferraum schieben. Mona gab keinen Laut von sich und blieb auch die gesamte Rückfahrt still. Ich hatte versucht, in die Kiste zu blicken, aber ich konnte eigentlich nichts erkennen, da Mona schwarz war und die Kiste dunkel.
Ein Kraftakt
Der schwierigste Part begann, als ich zuhause angekommen war. Ich musste die Kiste mit Mona drin in den zweiten Stock im Altbremer Haus bringen. Da gehörte zu den anstrengendsten Tätigkeiten meines Lebens. Ich habe sie Stufe für Stufe hochgehievt. Dass die arme Mona in der Kiste hin- und hergerutscht ist, hat das Ganze nicht besser gemacht. Ich musste immer wieder eine Pause einlegen und nach Luft ringen. Meine Muskeln zitterten. Als ich es endlich geschafft hatte und die Kiste in der Wohnung stand, war ich fix und fertig. Aber ich hatte es ohne Hilfe geschafft und konnte den folgenden wunderbaren Moment ganz alleine genießen.
Das erste Kennenlernen
Ich öffnete die Tür der Box und es dauerte nicht lange, bis Mona herauskam. Sie war noch viel hübscher als sie auf den Fotos aussah! Sie kam direkt zu mir, schnüffelte kurz und erkundete dann die Wohnung. Sie sprang aufs Sofa und kratzte ein bisschen, dann ging sie in den Flur und erschreckte sich zuerst vor ihrem Spiegelbild. Schließlich ging sie ins Schlafzimmer, setzte sich und pinkelte einen großen See auf das Laminat. Ich habe es ihr nach der langen, anstrengenden Reise nachgesehen. Tatsächlich war Mona ab da stubenrein. Erst im hohen Alter hat sie aufgrund ihrer Demenz öfter in die Wohnung gemacht.
Die ersten Herausforderungen
Vor dem Schlafengehen wollte ich mit Mona noch einmal vor die Tür und dazu musste ich ihr das Geschirr, das ich vorher besorgt hatte, anziehen. Dabei war Mona gar nicht kooperativ. Wahrscheinlich kannte sie das aus ihrem alten Leben auch gar nicht. Als ich es schließlich geschafft hatte, wollte ich mit ihr die Treppen hinunter gehen. Davon hielt Mona aber auch nichts. Sie weigerte sich. Sie schmiss sich wie ein nasser Sack auf den Boden. Ich wollte nicht so viel an ihr herumzerren und entschloss mich, sie zu tragen. Das fand sie auch nicht gut, aber sie hielt still. Dann sind wir über die Straße gegangen auf eine kleine Grünfläche und da hat sie nochmal Pipi gemacht. Das war unser erster Gassigang.
