Heidhofer Hunderunde: Tierschutzhündin Choco auf der A-Wand

Heidhofer Hunde­runde – Ver­trau­en, Ko­n­zen­­tra­tion und ein wackelndes Brett

Choco setzt eine Pfote auf das Brett. Das Brett wackelt. Sie zieht die Pfote zurück. Wir stehen an Station 12 der Heidhofer Hunderunde, dem Wackelbrett, kurz vor dem Ende des Parcours. Ich ermuntere sie ruhig. Sie setzt die Pfote noch einmal auf, das Brett bewegt sich wieder, Choco schaut mich an. Zweite Pfote, kurzer Blick, dann steht sie für einen Moment mit allen vier Pfoten auf dem Brett – und springt im selben Moment auch schon wieder hinunter. 

Beim ersten Besuch hatte sie diese Station gar nicht angenommen. Heute kam sie weiter als beim letzten Mal. Für das nächste Mal nehme ich mir vor, die Runde am Ende zu beginnen, damit wir am Wackelbrett mehr Ruhe und Zeit haben.

Was die Heidhofer Hunderunde ist

Im Wald „Schmidts Kiefern“ bei Schwanewede haben die Niedersächsischen Landesforsten 2023 den ersten frei zugänglichen Aktivpark für Hunde in Niedersachsen eröffnet. Der Rundweg ist 3,7 Kilometer lang, hat 14 Stationen und ist ganzjährig kostenlos begehbar. Start- und Endpunkt ist der Parkplatz Schmidts Kiefern am Ende der Panzerstraße.

Auf dem Übersichtsschild am Eingang sind drei Runden markiert: Pink, Orange und Blau. Wer alle drei läuft, kommt auf die volle Strecke und nimmt alle Stationen mit. Wer den Parcours wirklich ausschöpfen will, läuft die komplette Runde.

Auf dem ganzen Rundweg gilt Leinenpflicht. Nur an den gekennzeichneten Stationen darf der Hund abgeleint werden, vorausgesetzt, er bleibt im Einflussbereich der Hundeführerin oder des Hundeführers. Während der Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli gilt die Leinenpflicht auch an den Stationen.

Wie die Stationen aussehen

Mischlingshündin Mona geht durch ein kleines Tor auf der Heidhofer Hunderunde

Die 14 Stationen kombinieren klassische Agility-Elemente mit Aufgaben, die speziell auf den Waldcharakter angepasst wurden. Es gibt einen Steg, einen Tunnel, einen Slalom, eine Hürde, eine Wippe, einen Stufenhügel aus Baumstämmen, einen Durchsprung, mehrere Springhindernisse, einen Ecktunnel, einen Lückengang, eine A-Wand, das Wackelbrett, einen Pendeldurchgang und am Schluss einen Balancierstamm.

Jede Station hat ein Schild mit kurzer Erklärung. Manche Aufgaben sind körperlich, die meisten fordern den Hund aber vor allem geistig: hinschauen, einschätzen, sich überwinden, dem Menschen vertrauen.

Mona und Choco auf der Heidhofer Hunderunde

Die griechische Tierschutzhündin Mona auf dem Stufenhügel der Heidhofer Hunderunde

Mit Mona war ich auf der Hunderunde, als sie schon recht alt war. Vieles konnte sie nicht mehr mitmachen. Aber den Stufenhügel hat sie souverän bewältigt – die unterschiedlich hohen Baumstämme, auf die man den Hund steigen lassen kann. Mona war es gewohnt, dass ich sie auf Baumstämme stellte oder irgendwo raufspringen ließ. Für sie war das eine ganz normale Aufgabe, nur ihr Körper war eben nicht mehr in der Lage zu allem.

Mit Choco war ich inzwischen zweimal dort. Beim ersten Mal kannte ich sie noch nicht lange. Sie hat trotzdem schon vieles ausprobiert.

 Beim zweiten Besuch war es noch einmal deutlich besser. Sie meisterte die meisten Stationen. Die A-Wand nimmt sie locker. Auch der Balancierstamm ziemlich am Ende der Runde lief gut – ein liegender Baum mit Ästen, an denen sie sich konzentriert vorbeischlängelte. Nur das Wackelbrett blieb eine Herausforderung. Eine Fläche, die sich unter den Pfoten bewegt, ist für viele Hunde schwierig: Sie können nicht einordnen, warum sie wackelt, und gleichzeitig müssen sie ihren Gleichgewichtssinn und ihre Muskulatur einsetzen, um stabil zu bleiben.

Warum so etwas guttut – auch ohne Heidhofer Runde

Nicht jeder wohnt in der Nähe eines solchen Parcours. Aber das Prinzip dahinter lässt sich überall anwenden. Es geht im Kern um drei Dinge: Bindung, geistige Auslastung und körperliche Forderung im passenden Rahmen.

Wenn Choco auf ein wackelndes Brett steigen soll, dann verlässt sie sich auf mich. Sie schaut mich an, wartet auf mein Signal, traut sich. Genau in diesen Momenten wächst Bindung – dort, wo Choco unsicher ist und ich ihr helfen kann.

Heidhofer Hunderunde: Choco geht vorsichtig über die Holzlatten

Geistige Auslastung ist für viele Hunde wichtiger als reine Bewegung. Ein älterer Hund wie Choco braucht keine langen Strecken. Sie braucht Aufgaben, bei denen sie nachdenken, abwägen, sich konzentrieren muss. Eine halbe Stunde mit ein paar Stationen fordert sie mehr als ein Spaziergang von zwei Stunden.

Und die körperliche Komponente – Balance, Koordination, Körpergefühl – tut Hunden in jedem Alter gut. Aber eben angepasst. Hohe Sprünge sind nicht für jeden Hund das Richtige. Ein niedriger Baumstamm zum Balancieren dagegen schon.

Die Hindernisse auf der Hunderunde sind nicht willkürlich gewählt. Sie greifen Bewegungen auf, die im Hund angelegt sind und sich beim Toben, beim Spielen, im richtigen Moment ganz von selbst zeigen. Choco hat neulich im Garten einer Freundin beim Spielen einen riesigen Satz über ein Beet gemacht. Ich staune jedes Mal, wie gut sie das hinbekommt – in ihrem Alter, mit ihrer Geschichte. An den Stationen werden genau solche Bewegungen gezielt abgerufen: balancieren, springen, sich durch enge Stellen schieben, das Gleichgewicht halten.

Was man unterwegs nutzen kann

Man muss dafür nicht zur Heidhofer Hunderunde fahren. Mit ein wenig Fantasie und ein paar eigenen Ideen findet sich beim Spaziergang fast überall etwas.

Ein gefällter Baumstamm wird zum Balancierbalken: erst die Vorderpfoten drauf, dann ganz hinauf, ein paar Schritte gehen, am anderen Ende heruntersteigen. Ein Baumstumpf taugt zum Daraufsetzen und Warten – eine kleine Konzentrationsübung, bei der der Hund die Position halten soll, während ich um ihn herum gehe. Ein liegender Ast wird zur kleinen Hürde, über die der Hund springt oder steigt.

Wichtig ist die Haltung dabei: ruhig sprechen, geduldig sein, den Hund nicht drängen. Wenn er zögert, lasse ich ihm Zeit. Wenn er es nicht macht, ist das auch in Ordnung. Beim nächsten Mal versuchen wir es wieder.

Tierschutzhündin Choco balanciert auf einem Baumstamm auf der Heidhofer Hunderunde

Bis zum nächsten Besuch

Mit Choco werde ich bald wieder zur Heidhofer Hunderunde fahren. Diesmal beginne ich am Ende, beim Wackelbrett. Ich glaube, dass sie es noch besser machen wird.

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