Choco erkundet den Pferdehof

2. Choco – Leben auf dem Pferdehof

Meine Freundin und ich hatten einen zurückhaltenden Hund erwartet, alt und gebrechlich. Stattdessen war Choco fröhlich und zutraulich. Sie gewöhnte sich sehr schnell an ihr neues Zuhause und an alle Abläufe. Mit der Labrador-Hündin Frida hatte sie eine freundliche Artgenossin zur Unterstützung. Allerdings war Choco mehr auf Menschen konzentriert. Nach nur wenigen Tagen war es für uns so, als wäre sie schon immer da gewesen.

Sie passte sich an den Hofalltag an, freute sich über Zuwendung und wartete mit Frida am Tor, wenn wir unserer Arbeit auf dem Hof nachgingen. Mit den Pferden hatte Choco keine Berührungsängste. Sie begegnete ihnen neugierig und gelassen, als wären große Tiere für sie nichts Ungewöhnliches.

Hofkatzen sind tabu

 Die Hofkatzen waren an Frida gewöhnt – Liesel, eine der beiden Schwestern, hatte sich sogar mit ihr angefreundet, und manchmal kuschelten die beiden miteinander. Mit Choco war das anders: Sie wollte die Katzen jagen. Liesels schüchterne Schwester scheuchte sie regelmäßig quer über den Hof. Vor Liesel selbst hatte sie aber ordentlich Respekt und verdrückte sich schnell, wenn diese Annäherungsversuche machte. Mit der Zeit lernte Choco, dass die Hofkatzen tabu sind.

Erste Spaziergänge

Obwohl Choco im Haupthaus wohnte, baute ich schnell eine besondere Beziehung zu ihr auf. Nach einigen Tagen machte ich den ersten Spaziergang mit ihr. Die freiheitsliebende Choco war glücklich, wenn wir durch die Natur an Wiesen und Feldern spazieren gingen. Sie beobachtete ganz aufmerksam ihre Umgebung, und schnell konnte ich feststellen, dass sie sich sehr für Rehe interessierte. Erstaunlicherweise ging Choco von Anfang an sehr manierlich an der Leine. Sobald sie Rehe sah, fing sie an zu ziehen, beruhigte sich aber wieder, sobald die Tiere außer Sichtweite waren.

Neues lernen: Autofahren

Der nächste Schritt war, mit Choco ein Stück Auto zu fahren, um in der nahegelegenen Heide spazieren zu gehen. Ich hatte mich noch nicht getraut, Choco im Auto festzuschnallen, denn sie hatte sehr heftig reagiert, als ich unterwegs einmal versucht hatte, sie mit der Leine festzubinden. Im Nachhinein weiß ich, woran das lag: Choco verfing sich in der Leine, wenn ich wegging und sie mir folgen wollte. Inzwischen kann ich sie überall anbinden, und Choco hat kein Problem mehr damit. Nur ganz selten, wenn aus irgendeinem Grund ein Leinenchaos entsteht, reagiert sie noch leicht panisch.

Damals ging ich das Risiko ein, die paar Minuten bis zur Heide ohne Sicherung zu fahren. Choco machte es vorbildlich mit, sie hatte es  nur immer sehr eilig beim Ein- und Aussteigen. In der Heide ließ ich sie an einer 10-Meter-Schleppleine laufen. Zuerst behielt ich das Ende in der Hand, später wagte ich es, die Leine loszulassen.

Um Choco mal mit nach Bremen zu nehmen, musste ich sie auf jeden Fall im Auto anschnallen können. Die einstündige Strecke mit Landstraße und Autobahn wollte ich auf keinen Fall ungesichert fahren. Also übte ich mit ihr das Anbinden, zum Beispiel vor der Apotheke im Dorf. Es lief alles bestens. Und dann war es eines Tages soweit: Ich wollte Choco das erste Mal mit nach Bremen nehmen.

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