Choco und Bettina als Schatten auf einem Weg

Gassi-Timing und Stubenreinheit

Wenn ein erwachsener Hund aus dem Tierschutz einzieht, ist die Erleichterung groß, wenn er sofort stubenrein ist. Sowohl Mona als auch Choco brachten diese Eigenschaft mit. Doch Stubenreinheit bedeutet noch nicht, dass der Hund den Rhythmus einer Stadtwohnung sofort versteht. Es ist schon eine Herausforderung, wenn ein Hund, der jahrelang selbst entscheiden konnte, wo und wann er sich löst, plötzlich feste Zeitfenster nutzen soll.  

Ein Leben in Eigenregie

Choco hat vermutlich zehn Jahre als Straßenhund in Rumänien gelebt. Ein Straßenhund entscheidet alles selbst, auch wann und wo er sein Geschäft verrichtet. Er hat jederzeit die Freiheit, sich einen ruhigen Platz zu suchen oder sich tief in ein schützendes Gebüsch zurückzuziehen. 

Choco, ein Tierschutzhund aus Rumänien, schnüffelt im Gras.

In der Stadtwohnung gibt es plötzlich feste Zeitfenster. Wer das Fenster verpasst, muss unter Umständen mehrere Stunden warten. Bei Choco passierte es immer wieder, dass sie beim Morgengassi ihr Geschäft nicht verrichtete und sich zwei Stunden später wieder meldete.

Auch wenn es nervig war und nicht immer optimal in meinen Zeitplan passte, sind wir natürlich noch einmal rausgegangen. In einer Stadtwohnung im zweiten Stock kann man leider nicht einfach die Tür zum Garten öffnen. 

Kommunikation in Notfällen

Es ist beeindruckend, dass beide Hunde, Mona und Choco, so instinktiv darauf geachtet haben, die Wohnung sauber zu halten. Wenn es wirklich dringend wurde, z. B. bei Durchfall, haben beide vehement Bescheid gesagt, anstatt in die Wohnung zu machen.

Warum es manchmal nicht klappt

Für viele Tierschutzhunde ist das Lösen in der Stadt eine echte Herausforderung. Oft liegt es daran, dass sie durch die vielen Reize der Umgebung nicht genug entspannen können oder die Leine sie daran hindert, einen wirklich geschützten Platz aufzusuchen. Auch die unmittelbare Nähe des Menschen, der am anderen Ende der Leine steht und zusieht, kann verunsichernd wirken. 

Bei Choco ist das zum Glück anders: Sie war von Beginn an völlig entspannt im Stadttrubel. Bei ihr ist es eher eine Frage der Vorliebe. Sie nutzt am liebsten dichtes Gebüsch, was im urbanen Raum schlicht nicht überall verfügbar ist. Viele Hunde entwickeln eine klare Ortspräferenz und halten so lange ein, bis die Route einen passenden Untergrund bietet.

Andere wiederum „sparen“ sich ihren Kot gezielt auf, um ihn an strategisch wichtigen Stellen als Markierung zu setzen. Nicht zuletzt spielt die Biologie eine Rolle: Gassi-Timing und Fütterungszeitpunkt sind eng miteinander verbunden. 

Was helfen kann

Feste Fütterungszeiten geben der Verdauung einen verlässlichen Rhythmus. Gelangt Futter in den Magen, wird der gastrokolische Reflex ausgelöst: Der Dickdarm wird aktiv, und der Hund verspürt kurze Zeit später Stuhldrang. Ob man vor oder nach dem Morgengassi füttert, hängt vom individuellen Hund ab – eine Fütterung vor dem Spaziergang kann diesen Effekt gezielt nutzen. 

Auch Bewegung regt die Darmtätigkeit an, weshalb manche Hunde von längeren oder etwas zügigeren Runden profitieren. 

Zusätzlich entwickeln Hunde ortsbezogene Gewohnheiten: An Stellen, an denen sie sich bereits einmal gelöst haben, fällt es ihnen oft leichter, es wieder zu tun. Geruch und Routine verstärken sich dabei gegenseitig. Es kann daher hilfreich sein, solche Plätze zu erkennen und gezielt aufzusuchen. 

Unsere Morgenroutine

Nach dem Aufstehen mache ich mich fertig, Choco bekommt ihre Medikamente mit Leberwurst, und anschließend gehen wir für etwa 30 Minuten nach draußen. Zu Beginn sind wir meist in zügigem Tempo unterwegs – ich  habe den Eindruck, dass ihr das guttut. Zum Glück ist sie von der Stadt nicht gestresst und bewegt sich ganz entspannt durch die Straßen. 

Tierschutzhund Choco ist auf der Suche nach dem perfekten Platz für ihr großes Geschäft

Inzwischen kenne ich ihre bevorzugten Stellen für das große Geschäft und steuere diese gezielt am Ende unserer Runde an. Es klappt noch nicht jedes Mal, aber es gelingt immer häufiger – und inzwischen überwiegen die erfolgreichen Versuche deutlich. 

Wenn wir zurück sind und sie sich etwas ausgeruht hat, bekommt sie ihr Futter. 

Wie bei ehemaligen Straßenhunden üblich, braucht es vor allem Geduld und eine feste Routine, damit sich die neuen Abläufe sicher einprägen können. Eine so große Umstellung der Lebenssituation braucht einfach Zeit. 

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