Tierschutzhund im Büro – mehr als 10 Jahre mit Mona
Nach zwei Wochen Urlaub und Eingewöhnung kam Mona mit mir ins Büro. Ich arbeitete Vollzeit und war mindestens acht Stunden am Tag dort. Für Mona wurde das Büro sehr schnell ein ganz selbstverständlicher Teil ihres Alltags – und das blieb mehr als zehn Jahre so.
Mona war eher zurückhaltend und ging nicht von sich aus auf andere Menschen zu. Sie hatte ihr Bett hinter meinem Schreibtisch und verbrachte dort einen großen Teil des Tages. Meistens schlief oder döste sie. Zwischendurch suchte sie sich auch mal einen anderen Platz, ging in ein Nachbarbüro oder legte sich in den Serverraum.
Manchmal habe ich auch mit ihr gespielt oder ihr etwas zur Beschäftigung gegeben. Besonders mochte sie einen Ball, den man mit Leckerchen füllen konnte. Den kugelte sie mit der Schnauze durch die Gegend, bis nach und nach die Leckerchen herausfielen. Damit konnte sie sich eine ganze Weile selbst beschäftigen.
Bei der Arbeit hat sie mich praktisch nie gestört.
Die Mittagspause gehörte den Hunden
Schon vor Mona hatte mich regelmäßig Cindy ins Büro begleitet, die Hündin einer Freundin. Später hatte ich oft beide Hunde dabei.
Meine Mittagspause nutzte ich für die Hunde. Meistens gingen wir eine Runde um den Block, auch wenn die Umgebung rund um die Firma leider nicht besonders schön war. Mit Mona und Cindy habe ich anschließend auch öfter noch auf dem Hof gespielt.
Später bin ich in der Mittagspause gelegentlich zum Unisee gefahren. Der war nur ungefähr fünf Minuten mit dem Auto entfernt, sodass eine Runde um den See zeitlich gut möglich war.
Wenn Mona zwischendurch rausmusste, bin ich natürlich ebenfalls mit ihr gegangen oder habe eine Kollegin gefragt. Bei Durchfall oder wenn ich einfach das Gefühl hatte, dass sie mal muss, ließ sich das im Arbeitsalltag gut einrichten.
Mit Kollegen spazieren gehen? Monas Entscheidung
Eine Kollegin ging öfter mit Mona raus. Das klappte allerdings nur, wenn Mona auch der Meinung war, dass sie mitgehen wollte.
Bei Menschen, die für sie nicht zu ihrem engeren Kreis gehörten, konnte sie sehr konsequent sein. Dann setzte sie sich hin und blieb sitzen. Wir haben darüber oft gelacht. Mona hätte man vermutlich nur schwer klauen können.
Wenn ich Besprechungen hatte, konnte ich sie anfangs mitnehmen. Später passten Kolleginnen auch auf sie auf und gingen mittags mit ihr raus.
Gelegentlich konnte ich Mona sogar auf Geschäftsreisen mitnehmen.
Dass das alles möglich war, lag natürlich auch daran, dass die Geschäftsleitung damals sehr hundefreundlich war. Viele Jahre später, als Mona bereits verstorben war, wurden Hunde auf dem Firmengelände verboten. Während unserer gemeinsamen Bürozeit waren die Voraussetzungen für Mona jedoch sehr gut.
Mona und die Kollegen
Wenn bekannte Kollegen in mein Büro kamen, blieb Mona entspannt.
Bei Besprechungen begrüßte sie Besucher ruhig und ließ sich streicheln. Dann legte sie sich wieder in ihr Bett oder in eine Ecke.
Mona bellte ohnehin nur sehr selten und war ein ausgesprochen friedlicher Hund.
Eine Kollegin in einem anderen Gebäude hatte eigentlich Angst vor Hunden. Vor Mona hatte sie keine Angst. Eine andere Kollegin mochte Hunde nicht besonders. Einmal lief Mona in ihr Büro und wurde ziemlich deutlich wieder hinausgeschickt. Danach achtete ich darauf, dass Mona dort nicht mehr hineinlief – vor allem Mona zuliebe. Die meisten Kollegen mochten sie sehr.
Durch Mona entstand außerdem genau der Effekt, den ein Bürohund nachweislich auf das Betriebsklima haben kann. Ich kam mit Kollegen auf einer anderen Ebene ins Gespräch, auch mit Menschen, die ich nicht mochte oder die mich nicht mochten. Über Mona gab es plötzlich einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt.
Außerdem ist wissenschaftlich belegt, dass schon wenige Minuten Kontakt mit einem Hund Stress reduzieren können. In einer Studie mit Beschäftigten im Gesundheitswesen zeigte sich dieser Effekt bereits nach fünf Minuten Streicheln und Beschäftigung mit einem Hund. Dabei sank der Cortisolspiegel, ein wichtiger Marker für Stress.
Quelle: Kline et al. (2020), „Randomized Trial of Therapy Dogs Versus Deliberative Coloring (Art Therapy) to Reduce Stress in Emergency Medicine Providers“, Academic Emergency Medicine.
Zweimal wurde aus der friedlichen Mona ein Wachhund
Mona war im Büro ausgesprochen ruhig. Zwei Situationen sind mir deshalb bis heute besonders im Gedächtnis geblieben.
Ein Kollege aus der IT arbeitete normalerweise in einem anderen Gebäude. Eines Tages kam er zu uns und ging in mein Büro, während ich gerade nicht da war. Ich wusste nichts davon. Dann hörte ich Bellen und Knurren – für Mona völlig ungewöhnlich – und ging schnell ins Büro.
Mona ging richtig nach vorne und zeigte ihre Zähne. Der Kollege hatte selbst einen Hund und war trotzdem sichtlich beeindruckt. Die sonst so friedliche Mona konnte plötzlich ziemlich gefährlich aussehen.
Aus ihrer Sicht war ihre Reaktion durchaus nachvollziehbar: Ein Mann, den sie dort kaum kannte, betrat ihr Büro, während ich nicht da war. Ich schickte sie einfach zurück auf ihren Platz.
Ein zweites Mal reagierte sie ähnlich, als mein Chef in mein Büro kam und sich direkt neben mich an den Schreibtisch setzte. Offenbar wollte sie mich in dieser ungewohnten Situation beschützen. Auch hier schickte ich sie einfach bestimmt in ihr Bett.
Mein Chef war selbst großer Hundefreund und hatte dafür viel Verständnis. In seinem eigenen Büro war Mona ihm gegenüber übrigens völlig entspannt. Es war also tatsächlich die Situation in unserem Büro, die für sie den Unterschied machte.
Mehr als zehn Jahre Büroalltag
Mona gehörte dort ganz selbstverständlich dazu. Sie kannte den Tagesablauf, hatte ihren festen Platz und wusste, welche Menschen zu unserem Alltag gehörten. Dass man sich im Büro ruhig verhielt, passte gut zu ihrem Wesen.
Als Mona sehr alt und dement wurde, wurde auch der Büroalltag schwieriger.
Das Treppensteigen fiel ihr zunehmend schwer. Manchmal pinkelte sie in den Flur oder ins Büro. Zum Glück hatten wir dort keinen Teppichboden. Ich putzte es sofort weg und war jedes Mal froh, wenn es möglichst unbemerkt blieb.
Mona ist fast bis zu ihrem letzten Tag mit ins Büro gekommen. Es war ein fester Bestandteil ihre Lebens geworden.
Was braucht ein Hund, damit der Büroalltag funktioniert?
Damit ein Hund mit ins Büro kommen kann, braucht es zunächst das Einverständnis der Geschäftsleitung. Ein Einzelbüro ist dabei natürlich von Vorteil, weil der Hund dort einen festen Rückzugsort hat und der Arbeitsalltag leichter auf ihn abgestimmt werden kann.
Genauso wichtig sind die Kollegen. Manche Menschen mögen Hunde, andere haben Angst vor ihnen oder reagieren allergisch auf Hundehaare. Darauf sollte man Rücksicht nehmen. Sinnvoll ist auch eine klare Absprache darüber, ob Kollegen dem Hund Leckerlies geben dürfen. Gerade wenn mehrere Menschen ihn gerne verwöhnen, kann da im Laufe eines Arbeitstages einiges zusammenkommen.
Für den Hund selbst sollte das Büro ein Ort sein, an dem er zur Ruhe kommen kann. Er sollte sich ruhig verhalten, Menschen nicht anspringen und den Arbeitsablauf möglichst wenig stören. Bei Publikumsverkehr sind die Anforderungen noch einmal größer, weil immer wieder fremde Menschen kommen und gehen. Außerdem sollte der Hund gelernt haben, Möbel, Kabel und andere Dinge im Büro in Ruhe zu lassen.
Die Pausenzeiten müssen ebenfalls zum Bürohund passen. Während Raucherpausen in vielen Unternehmen selbstverständlich sind, gibt es keine speziellen Hundepausen. Deshalb sollte geklärt sein, ob man zwischendurch kurz mit dem Hund rausgehen kann, wenn es nötig ist. Bei mir war das möglich, und ich konnte außerhalb der Mittagspause mit Mona kurz vor die Tür gehen, wenn ich den Eindruck hatte, dass sie rausmusste.
Ein weiteres Thema ist das Alleinbleiben. Birken, ein Hund aus dem italienischen Tierschutz, der eine Zeit lang im Nachbarbüro „wohnte“, war zwar ausgesprochen lieb und unkompliziert, musste das Alleinbleiben vor Ort aber erst lernen. Sobald seine Bezugsperson den Raum verließ, jaulte er zunächst. Solche Situationen gehören zur Eingewöhnung dazu und brauchen etwas Geduld.
Mona brachte für den Büroalltag viele gute Voraussetzungen mit. Sie war ruhig, freundlich, konnte sich gut entspannen und hatte ihren festen Platz hinter meinem Schreibtisch. Dadurch funktionierte unser gemeinsamer Arbeitsalltag über viele Jahre sehr unkompliziert.