Violetta: Angekommen im neuen Leben

Als Anne Violetta vom Transporter abholt, ist sie auf den ersten Blick ein ganz anderer Hund als auf den Fotos. Ihr Fell war völlig verfilzt, deshalb hat man sie geschoren, damit sie nicht mit Ungeziefer ankommt. Jetzt zeigt sich, wie mager die Hündin wirklich ist. Man kann ihre Rippen deutlich sehen.

Das Scheren war eine praktische Entscheidung. Maßnahmen gegen Ungeziefer wären zu Hause schwierig gewesen, ohne die anderen Tiere, die bei Anne leben, zu gefährden.

Die Suche nach einer Gefährtin für Neronnio

Angefangen hat alles mit Annes Wunsch, für ihren Rüden Neronnio, einen 7-jährigen Bouvier, eine passende Gefährtin zu finden. Sie sollte aus dem Tierschutz kommen und schon etwa in seinem Alter sein. Anne hat dafür im Internet recherchiert, zuerst bei Tierschutzvereinen und Tierheimen in der Nähe. Weil sie dort nicht fündig wurde, hat sie den Umkreis immer mehr ausgeweitet. Einige Listenhunde waren dabei, die sie sich aber schließlich doch nicht zugetraut hat. Dann ist Anne auf das Profil von Violetta gestoßen, deren Geschichte sie einfach angerührt hat.

Violettas Weg aus Rumänien

Violetta kommt aus Rumänien. Sie lebte zunächst in einem staatlichen Tierheim, wo die Zustände für die Hunde sehr schlecht waren. Dort verlor sie auch die beiden Welpen, die sie geboren hatte. Zum Glück wurde sie dann in einem Shelter von Tierschützern aufgenommen, wo sie etwa ein halbes Jahr verbracht hat, bis Anne sie adoptiert hat.

Als Violetta zu Anne kam, sollte sie sechs Jahre alt sein. Violetta ist so lebendig und quirlig, dass Anne sie für jünger hält. Es ist sehr schwierig, das Alter eines erwachsenen ehemaligen Straßenhundes zu schätzen.

Ein neues Leben beginnt

Der obligatorische Tierarzt-Check brachte zum Glück keine Befunde hervor. Körperlich scheint bei Violetta alles in Ordnung zu sein.

Über ihren Charakter war vorher wenig bekannt, außer dass sie Menschen gegenüber lieb und mit anderen Hunden verträglich sein sollte. Tatsächlich zeigt sich Violetta sehr territorial. Haus und Garten hat sie schnell in Beschlag genommen. Das Grundstück gehört für sie ganz klar zu ihrem Revier, und sie ist eine sehr gute Wachhündin. Kommt jemand, schlägt sie sofort an. Ihr Revierverhalten zeigt sich auch anderen Hunden gegenüber. Manche Hündin geht sie an, andere lässt sie in Ruhe.

Stubenrein war Violetta bei ihrer Ankunft noch nicht, das hat sie aber ziemlich schnell gelernt.

Erste Herausforderungen im Alltag

Schwierig war am Anfang das Autofahren, das Violetta auch erst lernen musste. Sie reagierte fast panisch, musste ins Auto gehoben werden und musste sich manchmal übergeben. Inzwischen springt sie freiwillig ins Auto und ist entspannt.

Leinenführigkeit gehört nicht zu Violettas Stärken. Sie geht gerne voran und zieht etwas. Daran könnte noch gearbeitet werden. Auch hat sie zuerst alles Mögliche gefressen, was ihr auf dem Weg begegnet ist, zum Beispiel Pferdeäpfel, aber auch noch ekligere Dinge … Mittlerweile macht sie das aber nicht mehr.

Beim Fressen ist Violetta noch nicht ganz entspannt. Anne vermutet, dass dabei alte Ängste eine Rolle spielen. Sie ist sehr vorsichtig und lässt sich schnell verunsichern, wenn die Näpfe klappern.

Violetta ist außerdem eine Jägerin. Freilauf draußen ist deshalb erst einmal ausgeschlossen. In Annes großem Garten kann sie sich aber frei bewegen.

Neronnio und Violetta

Neronnio und Violetta mussten sich anfangs erst aneinander gewöhnen und hatten auch Auseinandersetzungen. Inzwischen kommen sie gut miteinander klar und spielen zusammen. Was Neronnio früher alleine gemacht hat, machen sie jetzt gemeinsam: Sie rasen ausgelassen durch den Garten und Violetta schlägt Haken. Genau das macht den beiden offenbar am meisten Spaß.

Vertrauen und Nähe

Violetta hat einen besonderen Blick, in dem Anne sich verlieren kann. So viel kann man hineininterpretieren, und doch wird man wohl nie erfahren, was genau in ihr vorgeht. Die dominante Hündin hat auch eine ganz sanfte Seite. Sie sucht die Nähe zu Menschen und liebt es, zu kuscheln. Dabei ist sie weder grob noch zu fordernd, sondern ganz weich, legt den Kopf aufs Bein und bittet um Zuwendung.

Anne und sie haben ein gemeinsames Schlafgeh-Ritual entwickelt, auf das Violetta inzwischen auch besteht. Sie liegt mit erhobenem Kopf auf ihrem Kissen neben dem Bett und wartet auf ihr Gute-Nacht-Küsschen. Erst wenn Anne im Bett liegt, legt Violetta den Kopf zufrieden ab und schläft, bis es morgens das Guten-Morgen-Küsschen gibt.

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